FSJ Kultur und die LKJ vertiefend

Um neben meinen Infos in FSJ Kultur und die LKJ noch mal ein paar erweiternde Details zu liefern, bin ich zu einer direkten Quelle gegangen. Also habe ich mal meine Koordinatorin ausgefragt. Sie hat sich auch netterweise dazu bereit erklärt, mir für den Blog ein paar Hintergrundfragen rund um den Freiwilligendienst zu beantworten.

Freiwilligendienst

FreiwilligendienstQuelle: Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e.V.

 

Die Aufgaben meiner Koordinatorin

Wie lange arbeitest du schon für die LKJ und was genau sind deine Aufgaben?

LKJ

Quelle: Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e.V.

Ich arbeite seit Anfang 2018 bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e.V. (LKJ). Dort bin ich im Team der Freiwilligendienste als Bildungsreferentin. Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Ich bin hauptsächlich Ansprechpartnerin für die Einsatzstellen und die Freiwilligen* meiner Gruppe. Ich kümmere mich um alle Fragen und Herausforderungen rund um das FSJ Kultur. Außerdem besuche ich einmal im Jahr jede Einsatzstelle und führe mit den dortigen Freiwilligen* und den pädagogischen Ansprechpersonen ein Reflexionsgespräch. In der Gruppe Ems sind das ca. 30 Einsatzstellen und Freiwillige. Ein weiteres Aufgabenfeld neben der pädagogischen Begleitung ist die Organisation und Durchführung der Seminare und Bildungstage. Diese plane ich vom Schreibtisch aus und mache Absprachen mit den Häusern und Werkstattleiter*innen. Bei den Seminaren bin ich dann dabei und leite sie mit viel Freude.                                                                                                     

Ansonsten fallen noch viele Dinge bei der Organisation der Freiwilligendienste rund ums Jahr an:

  • Erstkontakte mit Einsatzstellen und Interessent*innen, die sich über die Freiwilligendeinste informieren wollen
  • Anmeldungen für die neuen Jahrgänge sichten und an meine Einsatzstellen weiterleiten
  • Einladungen für Treffen und Seminare verschicken
  • Bildungskonzepte und -inhalte mitentwickeln
  • den Überblick über Bildungstage haben
  • Flipcharts malen
  • Telefonieren, beraten
  • Fortbildungen besuchen

Ein ganz bunter Strauß!

 

Die LKJ

Was ist die Grundidee der LKJ?
Die LKJ ist der Dachverband von 32 Fachverbänden und Institutionen aus Niedersachsen. Sie sind landesweit in der kulturellen Bildung aktiv. Zum Beispiel im Bereich Musik, Spiel, Theater, Zirkus und Film. Dabei fördert und entwickelt die LKJ kulturelle Kinder- und Jugendbildung. Die Aufgaben der LKJ als Dachverband sind vielfältig. Hier ist dazu mal eine Auflistung:

  • jugend- und kulturpolitische Interessenvertretung auf Landesebene
  • Mitarbeit in Gremien und Institutionen der Jugend- und Kulturarbeit Informations- und Erfahrungsaustausch auf Bundesebene
  • Organisation des Informations- und Erfahrungsaustausches zwischen den Mitgliedsverbänden
  • Träger für die Freiwilligendienste Kultur und Bildung (FSJ Kultur, FSJ Politik & Bundesfreiwilligendienst)
  • Koordinationsbüro Kultur macht Schule
  • Servicestelle Kompetenznachweis Kultur
  • Servicestelle Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung
  • Öffentlichkeitsarbeit

 

Anmelden und bewerben

Wie läuft das Bewerbungskonzept mit der LKJ ab? Wonach werden die Bewerbungen gefiltert?
Die Anmeldung läuft über ein bundesweites Anmeldeportal, auf dem nach Interessen, Ort und weiteren Faktoren gefiltert werden kann. Zusätzlich können freie Plätze direkt auf einer Karte angezeigt werden.  Alle Interessent*innen können hier Einsatzplätze suchen und sich anmelden:  https://anmelden.freiwilligendienste-kultur-bildung.de/platzsuche

Bewerbungsfrist und -zeitraum

Wann kann man sich bewerben?
Der Freiwilligendienst beginnt in der Regel im September eines Jahres. Für den Start im September 2020 ist die  erste Anmeldefrist vom 15. Januar 2020 bis zum 15. März 2020. Danach gibt es eine zweite Anmeldefrist vom 1. bis 30. April.  Jedoch kann es sein, dass bis dahin schon einige Plätze vergeben wurden. Einen Lebenslauf benötigen Interessierte zur Anmeldung nicht. Stattdessen beantworten sie zwei Fragen zu ihrer Motivation. Auch Zeugnisse und Schulabschluss werden nicht angegeben. Anmelden bedeutet aber nicht, dass man den Einsatzplatz schon hat und dort einen Freiwilligendienst machen kann. Es wird erst einmal an die Einsatzstellen übermittelt, dass man sich für den Platz interessiert. Dann schauen die Einsatzstellen sich die zwei beantworteten Fragen an und entscheiden, wen sie gerne persönlich kennenlernen möchten. Nun findet ein persönliches Gespräch statt. Schließlich müssen die Interessent*innen ja die Einsatzstelle erst noch kennenlernen, um entscheiden zu können, ob sie sich dort wirklich freiwillig engagieren wollen. Wenn es für beide Parteien passt, wird eine Vereinbarung unterschrieben und dann geht es im September los!

 

Wer kann sich bewerben?

Wer kann alles einen Freiwilligendienst über die LKJ machen? Was gibt es für Voraussetzungen?
In Deutschland können alle Menschen zwischen 16 und 26 Jahren ein FSJ Kultur oder FSJ Politik machen. Die Hauptsache ist, dass die Interessent*innen Lust haben, in einer Einrichtung im Bereich Kultur und Bildung einige Zeit lang mitzuarbeiten und dabei etwas Neues zu lernen. Zeugnisse oder Noten sind nicht wichtig. Genauso wenig wie ein bestimmter Schulabschluss. Nur die Vollzeitschulpflicht muss absolviert sein. Auch die Herkunft ist nicht relevant.

 

Kontakt zwischen LKJ und FSJler*innen

Wie läuft der Kontakt zwischen euch Koordinator*innen und den Einsatzstellen bzw. uns FSJler*innen genau ab? Welche Möglichkeiten gibt es da?
Mit den Einsatzstellen findet, bevor sie überhaupt ins FSJ Kultur/FSJ Politik aufgenommen werden, ein sogenanntes „Erstgespräch“ statt. Zusammen formulieren wir da Erwartungen und Wünsche. Wir reden über die Standards und besprechen natürlich auch sehr genau, wo und wie der*die Freiwillige* eingebunden wird. Danach bleiben wir mit den Einsatzstellen im regelmäßigem Kontakt: am Telefon, per Mail und zwei Mal im Jahr auch persönlich. Dafür gibt es ein Einsatzstellenbesuch und ein Einsatzstellentreffen. Beim Einsatzstellentreffen treffen sich die Ansprechpersonen aus den Einsatzstellen in der Region. Gemeinsam überlegen wir, wie die Freiwilligendienste weiterentwickelt werden können. Manchmal findet mit den künftigen Freiwilligen* der erste Kontakt auch schon lange vor dem Beginn statt. Wenn es Fragen gibt – noch vor der offiziellen „Anmeldung“ – dann landen die oft schon bei den Koordinator*innen.

Das erste persönliche Kennenlernen auch unter den Freiwilligen gibt es bei der Auftaktveranstaltung. Die findet immer in der ersten Septemberwoche in Hannover statt. Und später, wenn die Seminare gestartet sind, dann läuft der Kontakt sowieso ganz von selbst. Persönlich, per Mail oder telefonisch.

 

Lohn und Bezahlung

Wie passiert die Bezahlung? Wie viel Geld erhält man? Gibt es da Ausnahmen oder muss etwas besonderes beachtet werden?
Freiwillige* bekommen kein Gehalt oder Lohn, weil ein Freiwilligendienst kein Arbeitsverhältnis ist. Stattdessen bekommen sie ein Taschengeld. Das Taschengeld ist eine Art Aufwandsentschädigung. Es wird jeden Monat auf das Konto der*des Freiwilligen* überwiesen. Im FSJ Kultur und FSJ Politik sind das mindestens 350 Euro im Monat und höchstens 414 Euro. In Niedersachsen bekommen Freiwillige* ab dem 1.9.2020 370 Euro. Kindergeld, Kinderfreibeträge und kinderbezogene Leistungen gibt es auch im Freiwilligendienst, wenn der*die Freiwillige* bisher ein Recht darauf hatte. Das ist genauso wie bei Schul- oder Berufsausbildungen und gilt bis zum Alter von 25 Jahren.

 

FSJ für die Fachhochschulreife?

Kann das FSJ Kultur/Politik auch als praktischer Teil der Fachhochschulreife anerkannt  werden? Wie genau sind dort die Richtlinien?
Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und einem praktischen Teil. Sie ermöglicht den Studienzugang an Hochschulen und auch einigen Bachelor-Studiengängen an Universitäten. Fachoberschulen, Berufsoberschulen und berufliche Gymnasien bieten berufliche Bildungsgänge. Diese ermöglichen über verschiedene Wege – immer in Kombination aus Theorie- und Praxisphase – den direkten Erwerb der Fachhochschulreife. Neben diesen speziellen Schulformen können auch Schüler*innen, die die Oberstufe an einem Gymnasium oder eine Gesamtschule besucht haben, eine Fachhochschulreife erwerben, sofern sie das Abitur nicht geschafft haben oder die Schule vorzeitig beenden wollen. Die Rahmenbedingungen für den Erwerb beider Teile über diesen Weg sind in einem Beschluss der Kultusministerkonferenz des Bundes geregelt.                                                                                                  

Hier kann dies nachgelesen werden: Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung der Kultusministerkonferenz (Beschluss vom 7.7.1972 i.d.F. vom 15.2.2018): https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/1972/1972_07_07-VB-gymnasiale-Oberstufe-Abiturpruefung.pdf (Ausnahmen: Dies gilt nicht für die Bundesländer Sachsen und Bayern)

 

Die Richtlinien

 Schulischer Teil:  Schüler*innen an Gymnasien oder Gesamtschulen können nach mindestens zwei Schulhalbjahren der Qualifikationsphase (d. h. bei 12 Schuljahren nach Klasse 11, bei 13 Schuljahren nach Klasse 12) einen Antrag auf Feststellung des Erwerbs des schulischen Teils der Fachhochschulreife stellen. Der Antrag ist an die besuchte Schule zu stellen. Die Antragsstellung ist auch möglich, wenn Schüler*innen die Qualifikationsphase komplett besucht, aber die Abiturprüfungen nicht bestanden und damit das Abitur nicht erreicht haben. Für diesen Fall gelten bestimmte Regelungen hinsichtlich der erbrachten Leistungen.

 Praktischer Teil = Freiwilligendienst:  Um ein Studium an einer Fachhochschule aufnehmen zu können, bedarf es zusätzlich eines fachpraktischen Teils. Dieser richtet sich nach den jeweiligen landesrechtlichen Bestimmungen. Ein zwölfmonatiger Freiwilligendienst kann i.d.R. als fachpraktischer Teil anerkannt werden. Für die Klärung im Einzelfall ist die jeweils zuständige Landesbehörde (der besuchten Schule) anzufragen. Es ist ratsam, dass Interessent*innen an einem Freiwilligendienst diese Option vor Antritt des Freiwilligendienstes klären. Am besten schon in der Bewerbungsphase.

 

Vorteile am FSJ 

Warum hältst du einen Freiwilligendienst für sinnvoll? Was sind Punkte, die vielleicht noch ausgebessert werden müssten?
Ich finde ein FSJ Kultur und FSJ Politik ist eine ganz tolle Möglichkeit, um den Arbeitsalltag und verschiedene Berufe kennen zu lernen. Aber ein Freiwilligendienst ist auch eine gute Gelegenheit um einen Blick auf sich selbst zu werfen. Was mache ich gerne? Was passt zu mir und was macht mich aus? Welche Richtung möchte ich gerne in der Zukunft einschlagen? Somit ist das Jahr perfekt dazu geeignet, sich auszuprobieren und hinter die Kulisse zu schauen.

Außerdem gibt es in der Seminargruppe viele Menschen, die sich vielleicht gerade mit ähnlichen Themen beschäftigen. Hier hat man also die Chance sich auszutauschen und eigene Erfahrungen zu teilen. Viele Freiwillige finden auch Mitstreiter*innen für Herzensthemen. Was ich daran total schön finde: Es gibt die Möglichkeit sich ein großes Netzwerk aufzubauen. Wer weiß Soziales Netzwerk aufbauenwohin es nach dem Freiwilligendienst alle verschlägt. Bei den Seminaren gibt es auch ein klasse Angebot, sich künstlerisch und kreativ auszutoben in den Werkstätten. Und was ich auch sehr wichtig finde: Ein Freiwilligendienst ist eine Chance mitzugestalten, mitzusprechen, eine Meinung zu entwickeln und zu vertreten.  Freiwilliges Engagement ist für unsere Gesellschaft wesentlich!              

Was noch besser werden kann? Einiges! Zum Beispiel wünsche ich mir, dass viel mehr Menschen die Möglichkeit haben, einen Freiwilligendienst wahrzunehmen. Ganz wichtig finde ich auch: einen Freiwilligendienst zu machen darf nicht an finanziellen Hürden scheitern. Hierzu gehört zum Beispiel eine deutliche Verbesserung bei den Fahrtkosten. Freiwillige müssen verbilligt (oder sogar umsonst!) zu ihren Einsatzstellen kommen können. Gerade auf dem Land ist das ein großes und wichtiges Thema. Außerdem wünsche ich mir, dass wir mit dem FSJ Kultur und dem FSJ Politik noch mehr Menschen erreichen. Zum Beispiel Haupt- und Realschüler*innen oder Menschen mit anderen Hintergründen und diversen Lebensläufen.

 

Wer mehr Input braucht:   

Wie ich beim Radio gelandet bin

FSJ Kultur und die LKJ

Meine Projektplanung

Interview mit Celina – FSJ Politik

 

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