Meine Reise von der Weser an die Ems

Wie schon aus meinem Eintrag Wie ich beim Radio gelandet bin hervor geht, habe ich mich nicht nur in Niedersachsen nach Plätzen umgeschaut. Schlichtweg: Mir war es fast egal, wo genau ich in Deutschland landete. Wichtig war dann allerdings noch, dort auch eine Wohnung zu finden.

Neuer Standort beim Umzug

So bewarb ich mich verknüpft mit meiner Einschätzung, in welchen kulturellen Bereichen ich mir mich vorstellen könnte, in Darmstadt, Lingen und den dritten Standort habe ich schon vergessen. Da wurde ich ohnehin nicht zu einem Gespräch eingeladen.     

Meine erste Reise in Richtung Norden trat ich Anfang Juli an. Mein Vater fuhr mich in meiner Aufregung netterweise zum Vorstellungsgespräch (Bahnverbindungen in meinem Loch von Ort sind eben auch voller Löcher). Da die EVW quasi direkt neben der JVA ist, wusste ich auch, dass er sicher beschäftigt war.

Nach dem „Ja, wir wollen dich haben“

Als sich nicht nur die Einsatzstelle für mich, sondern ich mich auch für sie entschieden hatte, geriet ich erst einmal reichlich in Panik, denn ich erreichte telefonisch niemanden, um ihnen denn nun meine Entscheidung auch mitzuteilen. Ich hatte an dem Tag schon so ein ungutes Bauchgefühl, als es anfing stark zu gewittern. Und ja, da hatten wir den Übeltäter. Die Telefone waren natürlich ausgerechnet an dem Tag lahmgelegt, was ich aber erst am nächsten !!! Tag erfuhr. Zum Mitkommen: Also zwei Tage nach dem eigentlichen Vorstellungsgespräch und ein Tag nach meinem Entscheidungstag. Ich schrieb direkt eine E-Mail, auch schon aus Angst, den Platz zu verlieren, da es ja auch noch andere Bewerber*innen gab. Um erneut vorzuspulen: Es hat letzten Endes einen weiteren Tag später alles geklappt, das Gewitter zerstörte nicht meinen Radioplatz.

Noch schnell eine Wohnung finden

Als ich diese Gewissheit nun hatte, konnte die Aufregung allerdings schon weiter gehen. Da der Tag meiner Bewerbung auch schon eher in die Kategorie „auf den letzten Drücker“ eingeordnet werden kann, fiel die Wohnungssuche – man mag es kaum glauben – in ein und die selbe. Mit dem Glück auf meiner Seite ergatterte ich zwei Besichtigungstermine für bezahlbare Wohnungen. Auf dem Programm standen ein kleines Örtchen und Lingen selbst. Das Örtchen besuchte ich zuerst und ich war absolut begeistert – begeistert in Anblick auf ein Jahr, wohlgemerkt.

Immerhin zog ich so quasi aus einem Ort in den nächsten Ort und ist ja wohl klar, dass auch ich mainstream bin und den Traum von der großen fernen Stadt hatte/habe. Aber den hatte ich dann mit meiner Standort-Wahl Lingen für das eine Jahr direkt verworfen und das ist okay. Ich sagte zu, der Mietvertrag wurde unterschrieben und ich sammelte wieder zu Hause schon mal alle meine gedanklichen Listen zusammen: Was alles neu gekauft werden muss, was ich mitnehmen kann, was ich von meiner Oma bekommen kann (die allseits bekannten Geschirrhandtücher und weitere Schätze) und und und.

Mit meinem ganzen Sack und Pack machte ich mich dann schlussendlich am 31. August auf den Weg. Ohne Klimaanlage und dann mein brütender Kopf dazu – die Fahrt wurde gemeistert, der Einzug war spannend. Ich fühlte mich ehrlich gesagt erst mal sehr verloren, nicht in der Umgebung, sondern so alleine in einer Wohnung nur für mich (wie muss es Leuten gehen, die eine unmöblierte Wohnung vor sich und damit erst mal reichlich Leere haben??). Ich hatte keine Lust meine Koffer und alle weiteren notgedrungen zusammen gesuchten Aufbewahrungsmöglichkeiten auszupacken – auch meiner Faulheit zu schulden, Koffer auspacken mochte ich noch nie gerne. Meine Lösung war wie so oft: Musik. Aber ganz bald sah das Ganze dann auch schon anders aus…

Warum ich umziehen liebe

 

Wie mir das Radio beim Kennenlernen half

Im Nachhinein frage ich mich, wie ich das Emsland so gut hätte kennenlernen sollen, wäre ich nicht beim Radio gewesen.

ems-vechte-welleDenn Nachrichten gibt es hier eben über die gesamte Region und im Fall der Ems-Vechte-Welle sogar von noch weiter. Somit waren Orte und Städte und besonders ihre Aussprache !! mein alltäglich Brot. Twist, das Twiiiist und nicht Twisst ausgesprochen wird. Bei Norrrrdhorn auf gar keinen Fall das erste R zu wenig betonen. Und Rhede gibt es fieserweise im Emsland und in NRW. Das und viel mehr lernte ich innerhalb weniger Wochen ganz automatisch.

Zusätzlich kannte ich damit dann auch gleich einige Locations und zu welchen Orten sie genau gehören – die sofortige Zuordnung benötigt allerdings immer noch Zeit, ich werde aber immer besser und freue mich, wenn ich gleich den richtigen Ort zu z.B. einem Kulturzentrum-Namen parat habe. Zwischendurch war ich dann auch immer wieder auf Google Maps unterwegs, um mich grob zu orientieren, wohin ich die Leute denn täglich in meinen VK’s gerade schickte.

Auch den nah liegenden Niederlanden habe ich wenigstens kurz schon mal Hallo gesagt. Bis meine nächste Umzugsreise im Herbst ansteht (wohin genau ist natürlich noch offen), werde ich bestimmt noch einige weitere spannende Orte kennenlernen.                                                   

Was noch als Wissen hinzu kam, das ich vorher so gar nicht auf dem Schirm hatte, ist die plattdeutsche Sprache. Nicht, dass ich jetzt schon einen Aufsatz auf plattdeutsch schreiben könnte, aber immerhin gibt es hier genug plattdeutsche Theateraufführungen, die mir vereinzelte Begriffe beibringen. Und dessen Titel im Beitrag zu nennen ist nunmal selbstverständlich… Also stand ich da im Studio beim 10. Versuch die Wörter halbwegs authentisch auszusprechen, ohne zu lange Pausen dazwischen zu haben. Zuletzt hatte ich „Twee Börgermester för een, Halleluja!“, was ein Segen war. Aber wer weiß, vielleicht behalte ich hier nach ja einige besondere Wörter als zusätzliche Erinnerung.

 

Wer mehr Input braucht:

Wie ich beim Radio gelandet bin

Die Medien und ich

FSJ Kultur und die LKJ

Warum ich umziehen liebe

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